Storytelling: Geschichten die unvergesslich machen

Von Marco Pitrolo

„Verkaufen“ tust Du sowieso die ganze Zeit: Deine Argumente bei Diskussionen, Ansehen und Wohlwollen der Anderen, Zeit gegen Geld… aber dieses „verkaufen“ geschieht oft eher unterbewusst, ohne Strategie und Technik!

Doch welche Techniken und Trigger setzen die wirklichen „Magier“ des Marketings / Verkaufs immer wieder sehr erfolgreich und gezielt ein?

Einmal angenommen Du wärst Immobilienmakler und würdest ganz besondere Villen und Häuser in den schönsten Urlaubsgebieten der anbieten…

Wie würden sich Deine Immobilien besser verkaufen?

Mit grandiosen Bildern und Videos der Immobilien an den schönsten Orten der Welt, mit einem Virtuellen Foto-Rundgang durch die Immobilie und den Ort, mit schönen emotionalen Urlaubs Geschichten, mit vielen positiven Bewertungen und echten, emotionalen Kundenfeedbacks …

Oder mit simplen Daten und Fakten wie „Baujahr, Lage, Größe, Preis “ ?

Mein Neffe wollte Heiraten. Auf Sizilien, in der Heimat.

Während eines Familienurlaubs, einen Sommer vor der geplanten große Hochzeit, machten sich natürlich alle die üblichen Gedanken: Der Festsaal war ein großes Thema! Aber auch „welche Blumen für den Brautstrauß?“, und „welche Blumen für das Blumenkind?“, „ Wie sollten die Tischgedecken im Saal aussehen?“, „Welches Kleid trägt welche Frau?“ – ganz wichtiger Punkt! Damit es aus Versehen nicht dazu kommt, das zwei Frauen dasselbe Kleid tragen…

Wir Männer hatten es da zum Glück ganz einfach: dunkler Anzug und weißes Hemd.

Man machte sich Gedanken über Make-up, Schuhe, Handtaschen, Fotografen und Video-Drohnen, Musik, Wein, Schmuck der Autos und unzählige Dingen mehr…

(zum Glück bin ich nur ein einfacher IT und Marketing Mann und kein Hochzeitsplaner!)

Eine Frage war besonders Wichtig:

Mit welchem Schicken Fahrzeug sollte das Brautpaar nach der Kirche zum Festsaal „gleiten“? Weißer Mercedes AMG! Oder doch lieber der schwarze Maserati? Man liebäugelte natürlich auch mit den üblichen verdächtigen italienischen Supersportwägen. Aufregender Gedanke: 1000PS auf Sizilianischen Dorfstraßen mit 2 m Durchmesser… Herrlich!

Endlich sprach die angehende Braut ein Machtwort: Es soll eine klassische und traditionelle sizilianische Pferdekutsche sein!

Was? Ich kam nicht umhin diese Frage zu stellen: „Du hast die Wahl zwischen einigen der besten Autos dieser Welt – und ich mache sogar freiwillig den Job des Chauffeurs… und Du wählst lieber eine alte Pferdekutsche? Warum?”

„Ja, ja, Du und Job als Chauffeur… Ihr Männer wollt ja nur mit schicken Autos angeben!“

Wissend“ und mit einem Lächeln zeigte sie mir dann einen Flyer: Pferd mit Kutsche, festlich und herrlich geschmückt – sowohl Kutsche als auch Pferd. „ Carrozza degli innamorati – Pferdekutsche der liebenden “ strahlte die Überschrift in goldenen Lettern…

„Dieses Pferd, sein Chauffeur und seine Kutsche haben den besten Job der Welt. Sie machen seit vielen Jahren jedes Wochenende Menschen Glücklich.“

Dieser wirklich herzbewegenden Argumentation war nichts mehr entgegenzusetzen.

Sorry Mercedes AMG, Maserati, Ferrari

und Lamborghini. Das Pferd hat gewonnen!

P.S. Das Pferd und ich wurden bei der Hochzeit übrigens gute Freunde.

Die besten Verkäufer erzählen emotionale Geschichten…

ES war einmal… (eine frei erfundenen Geschichte von mir)

Vor langer, langer Zeit, als die Menschheit noch Jung war, gingen zwei Jäger – Hunga und Chucka- gemeinsam auf die Jagd.

Das große Stammesfest zur Ernennung des neuen Häuptlings stand kurz bevor und alle Krieger wollten natürlich das beste Stück Beute für das besondere Fest mitbringen.

Auf dem Weg in die Jagdgründe plauderten Hunga und Chucka über die besten Jagdtechniken für Wildschweine, die besten Waffen und Strategien für die Mammut-Jagd und wie sie sich im Ernstfall gegen die sehr gefährlichen Säbelzahntiger wehren könnten – denn in der letzten Zeit waren viele Krieger aus ihrem Stamm der neuen Gruppe von Säbelzahntigern zum Opfer gefallen, die sich in ihrem Jagdrevier tummelte.

Hunga, der ältere der beiden, hatte vor einem Monat sogar seinen besten Freund verloren. Sein Freund wurde beim Pinkeln mitten in der Nacht von einem dieser räuberischen Säbelzahntiger geholt … Hunga spürte noch immer Angst und Rachegefühle zugleich bei dem Gedanken an diesen Vorfall.

„Wenn er einen dieser verfluchten Tiger heute erwischte, würde er ihm mit den nächstbesten Stein den Kopf einschlagen“ so schwor er sich beim Gott des Feuerberges. Seine Augen suchten die Gegend schon nach einem geeigneten spitzen und großen Stein ab… Da meldete sich Chucka zu Wort: „Hey mein Freund, du bist ja ganz still und blass! Was hat dich denn erschreckt du furchtloser Krieger“ witzelte er.

Ach nichts, erwiderte Hunga. Ich mache mir nur Gedanken darüber, wie wir uns gegen die Angriffe der Säbelzahntiger wehren können, das ist alles.

„Du brauchst vor allem ein furchtloses Herz, wenn du im Kampf gegen einen Säbelzahntiger bestehen willst. Und dann brauchst du eine gute Waffe! Sie mal, mein Speer: Ich habe es letzte Woche aus hartem Bambus gemacht. Fühl mal! “ Hunga griff nach Chuckas Speer – und tatsächlich, es fühlte sich sehr gut an in seiner Hand. So, als ob der Speer eine magische Kraft durch seinen Arm fließen ließ, die ihn Mutiger machte.

Sofort entbrannte eine lebhafte Diskussion über mögliche Fertigungstechniken von Kampfspeeren. Die Möglichkeiten schienen fast unendlich…

So redeten sie lange Zeit und bewegten sich immer tiefer in unbekanntes Gebiet. Ihr Jagdrevier hatten sie, ohne es zu merken, bereits weit hinter sich gelassen.

Hunga erkannte es als erster: Sie hatten sich in eine Schlucht begeben und sie konnten nur noch nach vorn oder zurück. „Sollten wir nicht lieber umkehren Chucka?“

„Hey Chucka? “ Er drehte sich um, aber sein Freund war nicht mehr da. „ Chucka! “ Schrie er laut.

Urplötzlich, wie aus dem nichts, starrte er in große braune und grimmige Augen. Zähne, so spitz und so groß wie die Tropfsteine in der Höhle der Bären rissen seine Augen in ihren todbringenden Bann. Ein Brüllen, so laut wie ein ausbrechender Vulkan ließ seine Knie erschlaffen… Er wollte rennen, war aber wie gelähmt!

Der Säbelzahntiger setzte zum Sprung an. Chucka sah auf einmal alles in Zeitlupe ablaufen. Er fühlte sich seltsam „unbeteiligt“, so als ob er nur ein Zuschauer bei einem Kampf auf Leben und Tod wäre.

Er blickte suchend auf den Boden. Ein Stein oder ein Ast… aber da war nichts. Dann Dunkelheit und ein stechender Schmerz am Hals… Auf einmal sah er von oben zu, wie der Säbelzahntiger ihn in Stücke biss… „Seltsam“ , dachte er. „Ich spüre keinen Schmerz!“ Seine Aufmerksamkeit richtete sich wie von selbst auf dieses seltsame helle Licht. Der Säbelzahntiger wurde nebensächlich…

Chucka hatte sein Geschäft erledigt und band sich gerade mit einem Lederstreifen sein Fellkleid um, als ein fürchterliches Brüllen sein Blut gefrieren ließ. Instinktiv rannte er los, in die Richtung woher er gekommen war, zu seinem Freund Hunga.

Erst langsam realisierte er das Geschehen – und reagierte dann automatisch, wie in Trance. Während der Tiger damit beschäftigt war Hunga in kleinere Portionen zu zerlegen, warf Chucka seinen Bambus-Speer mit all seiner Kraft und all seinem Mut. Mit voller Wucht drang die tödliche scharf geschliffene Speerspitze in die Seite des wütenden Säbelzahntigers.

„Ich muss sein Herz getroffen haben!“ Dachte sich Chucka. Nur so konnte er sich erklären, das der Tiger innerhalb von vier Atemzügen tot umfiel.

Wie in einem Traum sah er seinen Freund Hunga am Boden liegen. Er war fürchterlich zugerichtet und nicht wieder zu erkennen . Sein Blut bedekte den Boden um ihn herum. Die Beißkraft des Tigers musste gewaltig gewesen sein! Er spürte wie unbändige Wut und glühender Hass in ihm aufstieg. Mit wild pochendem Herzen und zitternden Händen trennte er mit seinem Feuerberg-Messer den Kopf des Tigers ab.

In der einen Hand den Kopf des Tigers, in der anderen sein Speer…

Hatte er soeben seinen Freund verloren und einen Säbelzahntiger getötet? Ihm wurde plötzlich übel und Angst überkam ihn.

Da fing Chucka an zu rennen. Er rannte um sein Leben.

Sein Herz pochte heftiger als bei der Mammut-Jagt vor vielen Monden. Er rannte über Hügel, durch Wälder und durchquerte den Fluss der reißenden Wasserströme. Als er tief erschöpft in die Mutter-Höhle seines Stammes hinein stolperte, wurde es dunkel um ihn herum.

Es musste Nacht sein, dachte sich Chucka, als er wieder zu sich kam. Das Feuer brannte warm in der Höhle und alle Krieger umgaben ihn und den großen Kopf des Tigers. Es war ein einziges wildes Gerangel und alle sprachen wild durcheinander.

„AUFHÖREN!“, hörte sich Chucka schreien. Er fühlte sich plötzlich wie im Rausch, so wie damals, als er in den Wäldern beim alten Schamanen von diesem besonderen Pilz gegessen hatte… So Lebendig! Alles und jeder um ihn herum war ganz klar und scharf. Es herrschte Ruhe in seinen Gedanken- trotz des lauten und wirren Geredes um ihn herum.

„Hunga, unser Freund ist vom Anführer der Säbelzahntiger getötet worden! Ich habe Rache geübt und Anführer der Säbelzahntiger mit meinem Speer erlegt!“

Auf einmal wurde die gesamte Höhle ganz still. Alle schwiegen und blickten Chucka mit großen, ungläubigen Augen an – auch die hübsche Tochter des alten Häuptlings, der im Todeskampf lag, wegen der bösen, todbringenden Schlange im Busch.

„Ja, ICH habe den Säbelzahntiger getötet. Und jetzt erzähle ich euch allen, wie ich es getan habe!“

Lange hörte der ganze Stamm Chucka zu. Es graute bereits der Morgen und ihre Blicke klebten immer noch an seinen Lippen. Nur hin und wieder gab es ein „Ahh…“ und „Ohhh!“.

Als die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hatte stand eines Fest: Chucka sollte der neue Häuptling werden und alle wollten von ihm eines dieser mit Ledergriff versehenen Bambus Speere mit scharf geschliffener Steinspitze aus dem Feuerberg…

Mit der Ernennung des neuen Häuptlings Chucka war auch das erste Business geboren: Chuckas Speer und Kampfwaffen Waffen Manufaktur. Noch viele Generationen später erzählte man sich von den Heldentaten Chuckas und von seinen legendären unverwüstlichen Speeren.

Es ist Zeit für Deine Erfolgsgeschichte!

Marco Pitrolo, Januar 2020